Presseerklärung zu der Entscheidung des Verwaltungsgerichts zur Nennung der „Dar as Salam Moschee“ im  Verfassungsschutzbericht Berlin für das Jahr 2016.


Am heutigen Tage wurde der Neuköllner Begegnungsstätte e.V. ein Beschluß des Verwaltungsgerichts Berlin zugestellt, mit dem der Antrag vom 15. 8. 2017 auf einstweiligen Rechtsschutz gegen die Nennung im Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2016 zurückgewiesen wurde.

Das Gericht geht davon aus, daß folgende Anknüpfungen wahr sind:
Beteiligung an gemeinsamer Winterhilfsaktion für Bedürftige mit dem IJB
Veranstaltung am 12. März 2016 des FATWA-Ausschusses
Werbung des FATWA-Ausschuss für eine weitere Veranstaltung in den Räumen der Moschee im Jahre 2016
Kontakt zwischen M. Taha Sabri und dem Präsidenten des ECFR, Herrn Yusuf al-Qaradawi 2014

Das Gericht führt aus: „... kommen die von der öffentlichen Nennung des Antragstellers (also unserer Moschee) im Verfassungsschutzbericht 2016 ausgehenden Wirkungen einem Eingriff in dessen Religionsfreiheit (Art. 4 Abs.1 und 2 GG) und allgemeines Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs.1 i.V.m Art. 1 Abs.1 GG) gleich.“ Das Gericht meint aber, daß das hinzunehmen sei, weil das Verfassungsschutzgesetz des Landes Berlin gestattet, in diese Rechte einzugreifen, da die sich aus den festgestellten Tatsachen ergebenden Verbindungen zur Muslim Bruderschaft (IGD) diesen Eingriff rechtfertigen, weil die IGD „auf die Beseitigung oder Außerkraftsetzung wesentlicher Verfassungsgrundsätze“ ziele.

Wörtlich heißt es in dem Beschluß dann weiter: „Der angegriffene Bericht beschreibt … die dem legalistischen Islamismus  zuzuordnenden Bestrebungen der … durch die IGD vertretenen Muslimbruderschaft (MB) ... stuft er … die Bestrebungen der MB und IGD, nicht aber auch das Verhalten und die Betätigung der Dar al Aslam-Moschee selbst als gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung gerichtet ein.“ und „Die Darstellung greift auch nicht unangenemessen in die Rechte der Dar al Aslam-Moschee ein. Sie läßt auch für den flüchtigen Leser erkennen, daß bei der Beschreibung der verfassungsfeindlichen Bestrebungen der IGD lediglich (persönliche) Verbindungen zu der Dar al Aslam-Moschee bei bestimmten Veranstaltungen festgestellt wurden.“

Danach sagt das Gericht, so versteht das der Vorstand der Neuköllner Begegnungsstätte:“ Es gibt keine auf die Beseitigung der  verfassungsmäßigen Ordnung zielenden Bestrebungen unsererseits, das Landesamt für Verfassungsschutz behauptet das auch  nicht durch unsere Aufnahme in den Bericht. Wir müssen unsere Erwähnung hinnehmen, weil wir Kontakte zu Personen und  Einrichtungen haben, die der Muslim Bruderschaft zuzuordnen sind. Hätten wir Kontakte zu Personen, die in anderer Weise im Verdacht stehen, die Verfassungsordnung anzugreifen, etwa zu Rechts- oder Linksradikalen, so verstehen wir diesen Beschluß,  dürfte man uns ebenfalls in diesen Bericht aufnehmen, auch wenn wir selbst keinerlei Bestrebungen dieser Menschen und Einrichtungen, zu denen wir Kontakte unterhalten haben, teilen.

Wir prüfen derzeit, ob wir gegen diesen Beschluß das Rechtsmittel der Beschwerde einlegen werden. Wir meinen – anders als das Verwaltungsgericht – daß die Erwähnung im Verfassungsschutzbericht uns selbst mit dem Bannstrahl vermeintlich festgestellter verfassungswidriger Bestrebungen unsererseits belegt und daher von uns nicht hingenommen werden muß, in diesem Bericht  genannt zu werden, weil – so lesen wir den Beschluß – es keinerlei Hinweise darauf gibt, daß wir auf die Beseitigung oder Außerkraftsetzung der verfassungsmäßigen Ordnung zielen. Immerhin steht das nun fest.

Dass das Gericht dafür 8 Monate benötigt hat, um in dieser Eilsache zu entscheiden, nehmen wir als schwer nachvollziehbare Erscheinung des hiesigen Rechtsstaates zur Kenntnis. Wir halten aber gleichwohl an ihm fest und unternehmen alles, um ihn zu fördern und zu kräftigen.“

Nachdem der nordrhein-westfälische Integrationsminister Joachim Stamp ein Kopftuchverbot für unter 14 jährige Mädchen forderte und weitere Politiker*innen sich dieser Thematik annahmen, gerieten die Gemüter vieler Gläubiger in Aufruhr. Da die Forderung der Gemeinde öffentlich dazu Stellung zu nehmen sehr groß ist, äußert sich auch nun der Vorstand der Neuköllner Begegnungstätte e.V. zum Thema.

„Angesichts des klaren Verstoßes gegen unser Verfassungsrecht, welches ein solches Verbot darstellen würde, hielt ich es bislang nicht für notwendig mich zu diesem diskriminierenden Begehren zu äußern. In unserem Land wird es niemals die Aufgabe des Staates sein, darüber zu entscheiden wie sich ein Mensch kleiden darf und dafür bin ich dankbar“, sagt Mohamed Taha Sabri, Imam und Vorstandsvorsitzender der Neuköllner Begegnungsstätte e.V..

„Wenn einzelne Politiker*innen wichtige Rechte, die unsere Verfassung gewährleistet, für eine einzelne Glaubensgemeinschaft einschränken möchten, so habe ich genug Vertrauen in unseren Staat und Rechtssystem, dass sie das verhindern. Ich möchte mich nicht von solchen Personen instrumentalisieren und in Pseudodebatten ziehen lassen, die letztlich nur eine weitere Entfremdung der Mehrheitsgesellschaft von der muslimischen Minderheit zum Ziel haben“, argumentiert Sabri weiter.

Die Neuköllner Begegnungsstätte e.V. stellt sich klar gegen jedwede Form von Zwang in der Religion und plädiert in alle Richtungen für eine Erziehung zur Selbstbestimmung und Freiheit.

 Aus unserer Sicht tragen einige Aspekte dazu bei, dass der Artikel in so unsachlicher Weise ausfällt:

  1. Am 23.12. erschien ein aus unserer Sicht sehr sachlicher Artikel auf Spiegel Online über unseren Jugendseelsorger Mohamed Matar auf Spiegel Online. In dem Artikel wurde direkt Bezug genommen auf die voreingenommene Berichterstattung in der BILD vom 21.12.2017 , in der Mohammed Matar als „Radikal-Imam“ verunglimpft wurde. Den Bericht auf SpiegelOnline empfanden die Redakteure bei BILD offensichtlich als Bloßstellung, der sie nun mit aller Kraft etwas mit Ihrem Beitrag am 26.12.2017 entgegensetzen wollten.
  2. Wir haben Klage vor dem Verwaltungsgericht Berlin gegen unsere Aufführung im Berliner Verfassungsschutzbericht eingereicht. Seitdem erfahren wir immer wieder, dass in dem eigentlich nicht öffentlichen Klageverfahren vorgelegte „Beweise“ des Berliner Verfassungsschutzes wenig später als „Skandal“ in diversen Medien auftauchen. Auch hier sehen wir den Versuch einer Stimmungsmache gegen unsere Moschee.
  3. Bei der Entscheidung vom US-Präsidenten Donald Trump zur Verlegung der amerikanischen Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem zeigte sich, dass in Deutschland sowohl die öffentliche Meinung als auch die Positionierung der Bundesregierung hier auf Seiten der Internationalen Gemeinschaft lag. Seitdem erleben wir aber eine Lobbyarbeit ohnegleichen mit der Zielsetzung, Muslime als antisemitisch und gewalt- und terrorismusbefürwortend in der Öffentlichkeit darzustellen. Dies fing damit an, dass sämtliche große deutsche Medien über „Tod-den-Juden“-Chorgesänge berichteten, die es gar nicht gab, wie das medienkritische Portal Übermedien nachwies. Sodann wurde ausführlichst die Verbrennung von zwei selbstgebastelten Israel-Flaggen berichtet, obgleich daran maximal zehn der über 2000 Demonstranten beteiligt waren und dies ausdrücklich gegen den Willen der Organisator*innen geschah. Und zuletzt wurde der Besuch von unserem Imam Taha Sabri bei der Palästinensischen Gemeinschaft Deutschlands (PGD) während eines traditionellen Fastenbrechens skandalisiert. In den Medien war überall zu lesen, dass der NRW-Verfassungsschutz die PGD als deutschen Ableger der Hamas bezeichnet. Hätten sich einige Journalist*innen auch einmal die Facebook-Seite der PGD angeschaut, hätten sie feststellen und berichten können, dass die PGD selbst bereits am 10. Dezember ein klares Statement gegen Antisemitismus und Gewalt gegenüber ihren Mitgliedern auf ihrer Facebook-Seite und ihrer Website abgab. Vielleicht hätte sich vor diesem Hintergrund ein Besuch eines Imams bei der PGD nicht mehr so gut skandalisieren lassen?
  4. Man beobachtet- mit Sorge -  in Deutschland eine ausgeprägt-wachsende Islamfeindlichkeit, die allerdings weitgehend gesellschaftlich akzeptiert ist und die sich keinesfalls nur auf Vertreter einer politische Partei begrenzt. Deutlich wird dies beispielsweise dadurch, dass  70% der Bevölkerung finden, der Islam gehöre nicht zu Deutschland  oder dass es im Jahr 2016 in Deutschland alleine 91 registrierte Anschläge auf Moscheen gab. Es ist zwar in Teilen der Bevölkerung tabuisiert, sich kritisch über Juden oder Zuwanderer oder Zuwanderung im allgemeinen zu äußern - maßlose, einseitig tendenziöse Kritik an Muslimen ist allerdings gesellschaftlich weitgehend akzeptiert. Während es gegenüber anderen gesellschaftlichen Gruppen in der Regel ein Gefühl dafür gibt, wo legitime Kritik aufhört und „Feindlichkeit“ anfängt, gibt es nach unserer Wahrnehmung bei Muslimen diese Grenzziehung nicht. Hierzu sei betont, dass wir durchaus bereit sind, uns mit Kritik auseinander zu setzen und sie auch anzunehmen und Fehler einzugestehen (wie z.B. im Falle von einigen der vielen hundert Gastrednern in unserer Moschee) oder Verantwortung zu übernehmen wie z.B. mit unserer Initiierung einer gemeinsamen Erklärungen gegen Antisemitismus nach einem antisemitischen Vorfall an einer Berliner Schule und unseren klaren Worten gegen Antisemitismus im Dezember diesen Jahres. Selbstverständlich finden wir es gut und richtig, dass es in der deutschen Gesellschaft ein feines Sensorium für Antisemitismus und die weit verbreitete Bereitschaft (auch von uns) gibt, dem entgegen zu treten. Wir würden uns allerdings wünschen, dass ein wenig dieses Sensoriums auch im Hinblick auf Muslime vorhanden wäre.

Wir nehmen nun nochmals im einzelnen Stellung zum Artikel über uns und Mohamed Matar. Wir sind uns allerdings nicht sicher, ob wir dies zukünftig noch leisten können und wie wir in Zukunft mit solchen Kampagnen umgehen werden. Es übersteigt die Kapazitäten des Leistbaren und des Ertragbaren für uns als Moscheegemeinde.

Anmerkung: Zitate aus dem Artikel werden im Folgenden kursiv und fett hervorgehoben.

Umstrittener Prediger

So islamistisch ist der Radikal-Imam

Zunächst möchten wir richtig stellen: Mohamed Matar ist weder „Prediger“ noch „Imam“ sondern lediglich Jugendbetreuer, Seelsorger und Projektkoordinator. Des Weiteren ist er weder islamistisch noch radikal. Er leistet hervorragende Arbeit und ist eine Bereicherung für unsere Gemeinde.

 Diese Moscheegemeinde wird vom Verfassungsschutz in Berlin beobachtet und der islamistischen Muslimbruderschaft zugeordnet. Und auch Imam Matar selbst gibt Zweifel auf.

Es ist richtig, dass wir aktuell im Berliner Verfassungsschutzbericht genannt werden. Wir haben allerdings gegen diese Aufführung Klage eingereicht. Wir wehren uns dagegen, über die IGD (dessen Mitglied wir nicht sind) der Muslimbruderschaft zugeordnet zu werden und haben erfolgreich eine Einstweilige Verfügung gegen den Evangelischen Pressedienst gewonnen, der uns als salafistisch bezeichnet hatte.

 Bei der Veranstaltung zum Jahrestag des Attentats auf einen Berliner Weihnachtsmarkt sprach ein Vertreter einer radikalen Moschee.

 Wir wehren uns entschieden gegen die Bezeichnung, wir seien eine radikale Moschee.

 Auf Facebook postete der Imam ein Foto einer erschossenen palästinensischen Terroristin. Diese hatte versucht, mit einem Messer Sicherheitskräfte zu töten. Matar schrieb dazu: „So friedlich wie du da zu liegen scheinst, bin ich mir sicher, dass deine Seele gerade jeden Frieden und jede Barmherzigkeit erfährt.“ Diese Lobpreisung ist ein klarer Hinweis darauf, dass Matar die Terroristin als „Märtyrerin“ betrachtete.

Nachdem die Islamismus-Analystin Sigrid Herrmann-Marschall den Facebook-Post einer größeren Öffentlichkeit bekannt gemacht hatte, erklärte Matar, er hätte nicht gewusst, dass es sich bei der erschossenen Attentäterin um eine Terroristin handelte und den Post gelöscht, nachdem er die Hintergründe erfahren habe.

Mit diesem Facebook-Post glorifizierte Matar eine palästinensische Terroristin, die mit einem Messer auf israelische Polizisten einstechen wollte und dann erschossen wurde. Matar behauptete später, er hätte nicht gewusst, dass es sich um einen Terroristin gehandelt habe und löschte den Post.

Sehr ausführlich wird im BILD-Artikel über Mohamed Matars Facebookpost berichtet, unsere Stellungnahme diesbezüglich jedoch verschwiegen, die erklärte, dass die Jugendliche in arabischen Medien zunächst als unschuldiges Opfer von Polizeigewalt bezeichnet wurde http://nbs-ev.de/presse/68-pm-neukoellner-begegnungsstaette-zu-den-vorwuerfen-gegen-m-matar.

 (…) Matar selbst scheint mindestens Sympathien für die Muslimbrüder zu hegen: Auf einem Foto posierte er neben anderen mit der sogenannten „R4bia“-Geste, vier hochgestreckten Fingern. Dieses Handzeichen entstand als Solidaritätsbekundung mit den Muslimbrüdern, nachdem das ägyptische Militär 2013 den damaligen Präsidenten und Muslimbruder Mohammed Mursi stürzte. Auch Matars Mentor, der NBS-Vorstand Mohamed Taha Sabri, zeigte die „R4bia“-Geste.

Eine demokratisch gewählte muslimisch geprägte Regierung wurde, durch einen blutigen Putsch beendet. Viele Tausend Demonstrant*innen und Anhänger*innen der Muslimbruderschaft fanden bei dem Putsch den Tod oder wurden anschließend zum Tode verurteilt. Mit dem Rabia-Zeichen etwa hätten sich eine Zeit lang weltweit Muslime fotografieren lassen, nachdem ägyptische Sicherheitskräfte 2013 Hunderte Demonstranten umgebracht hatten. Es ist unserer Ansicht nach legitim – insbesondere als religiöse Menschen, die Gewalt aufs Äußerste ablehnen – in Anbetracht des blutigen Militärputsches unsere Solidarität mit den Opfern und Hinterbliebenen zum Ausdruck zu bringen. Diese Form von Protest brachte keineswegs eine unkritische Betrachtung der Muslimbruderschaft mit sich oder zeigt die eigene Zugehörigkeit zu dieser. Die Muslimbruderschaft hat zu Zeiten Ihrer Regierung in Ägypten sicherlich vieles falsch gemacht und Pressefreiheit, Pluralismus und Demokratie eingeschränkt, wie wir dies nicht gut heißen.

Offensichtlich gibt es auch eine Rede aus dem Jahr 2016, in der Sabri im Beisein eines Al Jazeera-Teams ganz anders spricht als er dies in den Berliner Dialogzirkeln tut und Muslimbruderideologie in Reinkultur predigt.

Worauf sich diese Aussage vermutlich bezieht - und woraus seitens des Berliner Verfassungsschutzes versucht wird, einen Beleg für die Zugehörigkeit zur Muslimbruderschaft herzuleiten, ist lediglich die Einleitung zum Gebet, in der es um ein Glaubensbekenntnis geht und um den Glauben, dass jede Veränderung Sünde ist. Ist dies ein Glaubensbekenntnis, dass Taha Sabri nur für das Publikum von Al Jazeera verwendet hat und in Deutschland ganz anders das Gebet einleitet? Nein – er verwendet diese Einleitung jede Woche zum Freitagsgebet! Ist dies ein Glaubensbekenntnis, dass nur Muslimbrüder, Salafisten oder andere Islamisten verwenden? Nein, Diese traditionelle Eröffnung der Freitagspredigt findet sich in fast allen Strömungen und wurde nie von einer einzelnen Bewegung innerhalb des Islams für sich beansprucht. Prediger (insbesondere arabischen Ursprungs) in aller Welt eröffnen mit diesem Hadith ihre wöchentliche Freitagspredigt! Und bedeutet diese Einleitung, dass Taha Sabri die Überzeugung vertritt, dass der Koran wörtlich ausgelegt werden sollte und dass der Glaube heute wie vor 1000 Jahren gelebt werden sollte? Nein, in seinen Predigten bezieht er sich ganz eindeutig auf die Hadithe, wonach jedes Jahrhundert Veränderungen mit sich bringt und genau dies ist Inhalt seiner Predigten. Das Glaubensbekenntnis bezieht sich auf die Grundsäulen des Islam, nicht aber auf die Ausgestaltung des Glaubens im heutigen Kontext. Aber so weit geht das Detailwissen oder auch der Wille zur Wissenschaftlichkeit offensichtlich nicht. 

 Sabri nimmt immer wieder an Veranstaltungen der „Palästinensischen Gemeinschaft in Deutschland e.V.“ (PGD) teil, trat erst dieses Jahr sogar als Redner dort auf. Laut Verfassungsschutz NRW ist die PGD die Vertretung der palästinensischen Terrororganisation Hamas in Deutschland, laut Verfassungsschutz Berlin besteht die PGD größtenteils aus Hamas-Anhängern.

Die vor allem im Gazastreifen aktive Terrorgruppe Hamas ist ein Ableger der Muslimbruderschaft.

Hierzu sei bemerkt, dass die Palästinensische Gemeinschaft in Deutschland (PGD) den Vorwurf von sich weist, ein Ableger der Hamas zu sein. Abgesehen davon war die PGD nach unserem Wissen sogar die ersten, die sich nach der Jerusalem-Entscheidung von Trump am 10. Dezember ihren Mitgliedern gegenüber klar gegen Antisemitismus und Gewalt ausgesprochen hat (siehe deren Facebook-Seite und deren Website ). Darüber hat kein Medium berichtet und auch in einen solchen Artikel wird es nicht einbezogen, sondern nur einseitig ein einfacher Besuch unseres Imams Taha Sabri bei der PGD als Beleg dafür genommen, dass er selbst Teil von PGD und Hamas und was auch immer sei.

Prof. Susanne Schröter vom Forschungszentrum Globaler Islam der Uni Frankfurt zu BILD: „Die Muslimbruderschaft ist keine einheitliche zentral geleitete Organisation, sondern ein transnationales Netzwerk des politischen Islam, das aus einer Vielzahl formal unabhängiger Vereinigungen und Moscheegemeinschaften besteht. Ihr Ziel ist die Durchsetzung eines fundamentalistischen Islams, der mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unvereinbar ist.“

Weiter: „Jede der angeschlossenen Vereinigungen streitet öffentlich ab zur Bruderschaft zu gehören, häufig klagt man sogar dagegen. Im Falle der NBS, der Dar as-Salam-Moschee und der beiden Funktionäre Sabri und Matar gibt es eine Reihe von Hinweisen, dass sie diesem Netzwerk angehören.“

Das Perfide an dieser Zuschreibung ist, dass egal was wir tun, in der Lesart vom Berliner Verfassungsschutz und offensichtlich auch von der beauftragten Ethnologin Frau Prof. Susanne Schröter es immer klar ist, dass wir Islamisten sind. Wenn es islamistische Aussagen von uns gäbe, wäre erwiesen, dass wir Islamisten sind. Und wenn wir uns ganz anders äußern und positionieren, ist ebenso klar, dass dies nur Fassade ist und wir eigentlich insgeheim ja einen islamistischen Gottesstaat anstreben.

 Frau Prof. Schröter weiter: „Bedenklich stimmen die fadenscheinigen Abwiegelungen, wenn die genannten Dinge angesprochen werden und bei Matar auch, wie reflexartig er, ohne Hintergrundwissen, in einen anti-israelischen Modus verfällt.“

Wir wissen nicht, ob Frau Prof. Susanne Schröter sich die Mühe gemacht hat, auf unserer Website unsere Stellungnahme mitsamt dem Link zu der damaligen Meldung bei Al Jazeera oder auch dem Link zu der Berichterstattung über den Vorfall bei BTSELEM – The Israeli Information Center for Human Rights in the Occupied Territories angeschaut hat, bevor sie hier ihr Urteil fällt. Uns erscheint es eher so, dass sie hier reflexartig, ohne Hintergrundwissen, in einen pro-israelischen und Muslimen automatisch Antisemitismus unterstellenden Modus verfällt. Auf Grundlage der Berichterstattung in Al Jazeera kann man nach unserem Dafürhalten wohl nachvollziehen, dass Herr Matar zunächst davon ausgehen durfte, dass es sich um eine Unschuldige handelte und nicht um eine Attentäterin, was er in der Stellungnahme klar verurteilt. 

 „Die Einladung zur Gedenkfeier war ein schwerer Fehler“, sagt Prof. Schröter

Das ist die Meinung von Frau Prof. Schröter. Inzwischen müssen wir Frau Prof. Schröter leider zustimmen. Es war ein Fehler dies nicht zu verhindern, auch wenn er nicht unserem Namen dort war. Unser junger Jugendseelsorger und seine Familie ist zutiefst getroffen. Anders als unser Imam Taha Sabri, der, bevor er nach Deutschland kam, in seinem Heimatland als Oppositioneller mit 200 Personen über mehrere Jahre in einer Gefängniszelle leben musste und körperliche und psychische Folter ertragen musste, ist der gerade einmal 28-jährige Mohamad Matar nicht darauf vorbereitet, auf einmal bundesweit in Medien als 'Radikal-Imam' u.ä. verunglimpft zu werden. Auch unsere Gemeinde ist zutiefst unzufrieden und fragt, was denn der Kurs der Öffnung gegenüber der Mehrheitsgesellschaft und der interreligiöse Dialog bringen soll – außer Anfeindungen und Beschimpfungen?

 Cornelia Seibeld, integrationspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion Berlin, kritisierte die Einladung scharf: „Zum Gedenken an einen islamistischen Terroranschlag einen Imam aus einer Moschee einzuladen, der Kontakte zur Muslimbruderschaft nachgesagt werden, lässt jegliches Taktgefühl gegenüber den Opfern des Anschlags und ihren Hinterbliebenen vermissen.“

 Das sehen wir anders und hoffen, dass Frau Seibeld ähnlich wie ihr Vorgänger Burkhard Dregger als integrationspolitischer Sprecher der CDU willens und in der Lage ist, in konstruktiven Dialog mit uns zu treten. Burkhard Dregger hat uns auch besucht, obwohl wir im Verfassungsschutzbericht standen und wir waren im letzten Jahr auch noch herzlich eingeladen zum Fastenbrechenfest der CDU.

 Neben Anhängern der Muslimbrüder und der Hamas kehren auch Salafisten in der NBS ein: Wie der RBB berichtete, trat dort 2009 und 2013 auch der salafistische Hassprediger Mohamed al-Arifi auf. Al-Arifi, der gegen Homosexuelle und Juden hetzt, Gewalt gegen Frauen predigt und zum Dschihad aufruft, wurde laut RBB bei seinem ersten Auftritt in der NBS von Reda Seyam begleitet. Der berüchtigte Berliner Dschihadist, der in die Terroranschläge auf Bali 2002 (202 Todesopfer) verwickelt gewesen sein soll, ist mittlerweile einer der führenden deutschen Terroristen bei ISIS.

Wir nennen uns „Neuköllner Begegnungsstätte“ und bei uns waren in den vergangenen Jahren viele hundert Menschen auch in offizieller Form zu Gast. Der Islamkritiker Ahmad Mansour war beispielsweise zu einer Diskussionsveranstaltung als Redner in unserer Moschee (angesichts neuerer Kommentare des Psychologen ist darauf hinzuweisen, dass er offenbar so gut ausgebildete Leibwächter bei sich hatte, dass kein Mensch diese bemerkt hat). Auch drei Vertreter der AfD waren schon bei uns zu Gast. Es waren außerdem Rabbiner bei uns zu Gast, wir beteiligten uns an Stolpersteinaktionen zum Gedenken an jüdische Opfer des Holocausts mit anschließender Veranstaltung in unserer Moschee, es waren vielfach Pfarrer/Pfarrerinnen zu Gast. Es sind regelmäßig Vertreter anderer Strömungen des Islams wie Ahmadija oder Schiiten zu Gast oder im letzten Jahr besuchte uns  beispielsweise eine Gruppe schwuler Führungskräfte, mit denen wir uns zum Thema Islam und Homosexualität austauschten und uns gegen Homophobie aussprachen. Ja, wir müssen zugeben, unter den vielen hundert Besucher*innen unserer Moschee gab es auch einige, deren Besuch wir bedauern und der sich sicherlich nicht wiederholen wird, wie wir schon mehrfach zum Ausdruck gebracht haben.

 Auf Facebook ist zudem auffällig, dass Matar radikale Prediger „liked“: Neben dem oben erwähnten al-Arifi gefällt Matar auch der berüchtigte Hassprediger Yusuf al-Qaradawi, einer der Vordenker der Muslimbruderschaft. Al-Qaradawi preist Selbstmordattentate gegen israelische Zivilisten, nennt den Holocaust eine „gerechte Strafe Allahs für die Juden“ und kündigt einen neuen Holocaust an, der diesmal „durch die Hand der Gläubigen erfolgen“ soll. Zudem fordert er die Todesstrafe für Apostaten und Ehebrecher sowie Gewalt gegen Frauen, wenn diese ihrem Mann widersprechen.

Dass wir inzwischen Facebook-Likes rechtfertigen müssen, zeigt das Klima der Diskussion. Als Wissenschaftler*in im Bereich Islam 'liked' man häufig Personen, Gruppen und Institutionen um einerseits auf dem Laufenden zu bleiben, was in bestimmten Kreisen weltweit geschieht und andererseits um zu wissen, womit muslimische Jugendliche konfrontriert werden. Ein „Like“ sagt aus Sicht unseres Jugendbetreuers und Seelsorgers nicht viel aus. Hier sollte man vielleicht hinzufügen, dass er viele hundert unterschiedlichste Personen/Institutionen in der Form geliked hat, darunter auch Elifs Cake-World, Geo, Humans of London, Teppichparadies GmbH und Berliner Höfe- An und Verkauf.

Als Jugendbetreuer wirkt Herr Matar, ebenso wie unser Vereinsvorsitzender M. Taha Sabri nach innen und nach außen, gerade auch auf weniger Integrationswillige ein. Das wesentliche Element dieses Einwirkens kann man unter dem Begriff Aufklärung zusammenfassen, und bedeutet, die Gemeinde hin zu einem Islamverständnis zu führen, welches nicht nur im Einklang mit der deutschen Verfassung ist, sondern auch mit den religiösen Grundlagen des Islam zu vereinbaren ist. Um diesen Prozess erfolgreich zu gestalten, reicht es nicht aus, die Gemeindemitglieder oder Jugendliche, die sich beispielsweise mit Qaradawis Gedankengut auseinandersetzen, vor vollendeten Tatsachen zu stellen. Es bedarf vielmehr einer argumentationsstarken Dialogkultur, um radikalen und verfassungsfeindlichen Überzeugungen entgegen zu wirken. Dabei darf sich der Dialog nicht nur mit der Gemeinde an sich befassen, sondern muss sich im Rahmen der Ursachenbekämpfung mit den religiösen Autoritäten beschäftigen. Wichtig ist zu erwähnen, dass nicht die Neuköllner Begegnungstätte oder ihre Angehörigen diese Autoritäten ernennen, sondern der reale Einfluss dieser Menschen sie zu Autoritäten erklärt.

Jusuf Al Qardawi ist eine religiöse Autorität – unbeschadet seiner Beurteilung -, der weltweiten Einfluss auf Muslime hat. Er ist Autor von mehreren Hundert akademischen Werken und somit eine theologische Größe, seine Seite regelmäßig zu besuchen oder Kontakt zu ihm zu unterhalten bedeutet nicht die unkritische Übernahme seiner religiösen Thesen. Sinn dieser Auseinandersetzung ist es, Erkenntnisse über vorherrschende, theologische, philosophische und politische Meinungen zu gewinnen und gegebenenfalls auszutauschen, die eine Entwicklung von entgegenwirkenden Argumentationsstrukturen ermöglichen. Nur die Kenntnisse der unterschiedliche Positionen kann neue Sichtweisen aufzeigen und radikale Meinungen in ihre Schranken weisen. Das nennt man wirkungsorientierte Reformarbeit.

(Stand 31.12.2017) 

Pressemitteilung 24.12.2017

Veröffentlichung und Verbreitung eines gelöschten Posts auf der privaten Facebookseite unseres Jugendcoaches und Seelsorgers Mohammed Matar über den sozialen Medien

Seit dem 23.12.2017 sorgt der Screenshot eines vor geraumer Zeit gelöschten Facebook-Posts unseres Jugendcoaches und Seelsorgers Mohammed Matars für große Aufregung in den sozialen Medien. Bei dem Post (09. Mai 2017, Uhr 13.17) handelt es sich um das mit einer Beileidbekundung kommentierte Bild, der ein paar Tage zuvor erschossenen Palästinenserin Fatima Hjeiji.

Über den Tod der Jugendlichen wurde umgehend in arabischen Medien ausgiebig berichtet, obwohl wesentliche Hintergründe noch nicht bekannt waren. Herr Matar erklärt seine Veröffentlichung wie folgt:

Als ich, unter anderem bei Al-Jazeera, über die Umstände des Todes Fatima Hjeiji las, war ich zutiefst bestürzt über den gewaltsamen Tod eines – so glaubte ich zu diesem Zeitpunkt – unschuldigen jungen Mädchens. Durch die, zu genau diesem Zeitpunkt erneut entflammten US- amerikanischen Debatte über Polizeigewalt sensibilisiert, war ich sehr geschockt über die Unverhältnismäßigkeit, mit der die Streitkräfte gegen Fatima vorgegangen waren. Als ich das Bild öffentlich kommentierte, wusste ich Nichts über das abscheuliche Vorhaben der jungen Frau. Als klar wurde, dass Fatima Hjeiji keineswegs friedlich den Heimweg angetreten war, sondern vorhatte die Soldaten kaltblütig zu töten, löschte ich umgehend den Post. Ich verurteile jedwede Form von Gewalt und Terror und werde mich weiterhin unermüdlich dafür einsetzen, dass andere meinem Beispiel folgen.“

http://www.aljazeera.com/news/2017/05/palestinians-mourn-fatima-hjeiji-west-bank-170509011852306.html

http://www.btselem.org/firearms/20170510_killing_of_fatimah_hjeiji

http://www.augsburger-allgemeine.de/panorama/Polizist-wegen-Mordes-an-schwarzem-Jugendlichen-verhaftet-id41378776.html

Die Neuköllner Begegnungsstätte bedauert zutiefst die möglicherweise durch die Skandalisierung der Diplom-Biologin und antimuslimischen Lobbyistin S. Herrmann-Marschall entstandene Verunsicherung im Zusammenhang mit Herrn Matar. Frau Herrmann-Marschall selbst wurde am 23.12.2017 über die Hintergründe informiert und öffentlich befragt, weshalb sie eine Äußerung Herrn Matars zu den Anschuldigungen für überflüssig hält. Leider wurden entsprechende Passagen der Debatte auf der Facebookseite von Herrmann-Marschall aus dem Verlauf entfernt. Die Beiträge von  Frau Herrmann-Marschall zeichnen sich durch eine schätzungsweise 100% negative Darstellung von Muslimen aus, weshalb aus unserer Sicht von antimuslimischem Lobbyismus gesprochen werden kann.

Die Neuköllner Begegnungsstätte steht Ihnen heute noch (24.12.2017) bis Uhr 15.00 für telefonische Rückfragen zur Verfügung und beantwortet Ihre Fragen sonst gerne ab dem 27.12.2017.

 

Juanita Villamor-Meyer - 01578 479 3195 – Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Berlin, 16.12.2017

 

Aktuell erfährt die Bundesrepublik ein erschreckendes Erstarken antisemitischer Tendenzen, denen man sich mit aller Kraft entgegen stellen muss. Wir, die Neuköllner Begegnungsstätte veröffentlichten und verbreiteten über Email hierzu bereits am 13.12.2017 eine klare Stellungnahme (nachzulesen unter: http://nbs-ev.de/presse/66-aus-aktuellem-anlass-stellungnahme-zu-antisemitismus-und-den-protesten-in-berlin). Die unmissverständliche Verurteilung jeglicher Form von Antisemitismus, Aufrufen zu Gewalt und die öffentliche Verbrennung von Flaggen – insbesondere von Seiten einer mehrheitlich von Palästinenser*innen besuchten Moschee – sollte man meinen, würde ein Nachrichtenportal mit öffentlich-rechtlichem Auftrag mehr Aufmerksamkeit widmen, als einer Person, die als Kameraträger eines auswärtigen Referenten vor 8 Jahren unsere Moschee betreten hat.

Stattdessen wird ganz groß und ausführlich der Besuch eines islamistischen Predigers und seines islamistischen Kameramanns vor 8 Jahren in der Neuköllner Begegnungsstätte berichtet. 80% des mit Rechtschreibfehlern durchdrungenen Beitrags behandelt diese beiden Personen und was sie außerhalb den vor vielen Jahren stattgefundenen Besuchen in unserer Moschee alles schlimmes gesagt oder getan haben. Als ob sie dies bei uns gesagt hätten. Fakt ist, haben sie nicht. Jedenfalls ist etwas darüber nicht einmal im rbb-Beitrag zu lesen. Der schlimmere von beiden hat damals sogar lediglich eine Kamera getragen und bedient.

Die fragwürdige Fokussierung des rbb-Journalisten Sascha Adamek erklärt sich aber bei genauem Lesen der auf unserer Website veröffentlichten Meldungen.

Derzeit läuft eine Klage der Neuköllner Begegnungsstätte gegen den Berliner Landesamt für Verfassungsschutz hinsichtlich der aus unserer Sicht ungerechtfertigten Aufführung im Verfassungsschutzbericht. In seiner nicht öffentlichen Klageerwiderung hat der Verfassungsschutz vor 4 Wochen den Besuch im Jahr 2009 von zwei Islamisten in der Moschee benannt und uns um Stellungnahme gebeten. Kaum hatten wir diese Stellungnahme über einen Anwalt vor Gericht eingereicht, gelangten diese Fragen und Bilder zu dem Besuch der beiden Islamisten in der Moschee an den rbb-Journalisten, der daraus offenkundig einen Skandal machen will ohne auch nur den geringsten Ansatz eines Versuchs, diesen ins Verhältnis zu setzen.  Der Autor verzichtet komplett darauf, den aktuell laufenden Rechtsstreit zwischen dem Berliner Verfassungsschutz und uns ausführlicher redaktionell zu beleuchten oder wenigstens zu erwähnen, sondern schlägt sich auf eine Seite. Die Seite, von der er möglicherweise häufiger bei guter Zusammenarbeit redaktionelles Material erhält, das er ja schließlich für seinen Job und damit seinen Lebensunterhalt braucht.  Den Berliner Verfassungsschutz mag es freuen, beeinflussen solche Berichte doch häufig die öffentliche Meinung und vielleicht damit auch seine Aussichten, den Rechtsstreit gegen uns zu gewinnen.  

Unterschlagen in dem Bericht vom rbb wird natürlich auch, daß bei uns unter der dreistelligen Zahl von Gastredner*innen, Rabbiner*innen, Pfarrer*innen, Wissenschaftler*innen, auch islamkritische Personen wie Ahmad Mansour und Abdel Hakim Ourghi selbst aufgetreten sind. Ja selbst AfD-Vertreter waren schon bei uns zu Gast.

Für die Zuschauer- oder Leserschaft ist es aber schon eine wichtige Information, ob der vor einigen Jahren zweimal dort aufgetretene Islamist einer von ganz vielen Islamisten ist, die bei uns regelmäßig auftreten oder ob er eine Ausnahme ist neben einer dreistelligen Zahl an sonstigen Gästen, an denen es nichts auszusetzen gibt. So ist die Aussage Mohammed Taha Sabris im Interviewauschnitt des rbb-Beitrags zu verstehen – welches wir trotz mehrfacher Anfrage bis dato noch immer nicht zur Verfügung gestellt bekommen haben. Wenn wir einmal, zweimal oder gar dreimal einen Fehler begangen haben, so ist das immer auch in Relation zu setzten zu unserer sonst tadellosen und unermüdlichen Arbeit für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft und der Integration muslimischer Neu-Berliner*innen. Eben um solche Dekonstruktionen von Aussagen durch beliebiges Schneiden des Filmmaterials zu vermeiden, hatten wir eine Veröffentlichung des gesamten Interviews als Bedingung für dessen Nutzung gemacht, was vom rbb beauftragten Journalisten nicht respektiert wird.

Die Unterschlagung der zwei Tage zuvor von uns veröffentlichten Erklärung gegen Antisemitismus im rbb-Beitrag ist wirklich bemerkenswert, gerade weil unsere Besucher*innen überwiegend Palästinenser*innen sind. Warum wird das unter den Tisch fallen gelassen und stattdessen nur der Besuch Mohammed Taha Sabris bei der Palästinensischen Gemeinde genannt?  Hat unser Imam dort etwa antisemitisch gehetzt oder hat er sich vielleicht entsprechend der Stellungnahme gegen Antisemitismus für Frieden ausgesprochen? Man erfährt es nicht und Sascha Adamek hat unseren Vorstandsvorsitzenden Mohammed Taha Sabri dazu offenkundig nicht befragt (http://nbs-ev.de/presse/65-rbb-der-naechste-versuch).

Besonders tendenziös fällt sodann die Auswahl der "Islam-Expert*innen" aus. Mit Ahmad Mansour (Psychologe), Erol Özkaraca (Rechtsanwalt) und Sigrid Herrmann-Marschall (Diplom-Biologin) kommen drei ausgewiesene Islam-Kritiker*innen zu Wort, die keine Gelegenheit zum Islam-Bashing auslassen und bei deren zahlreichen Publikationen der letzten Jahre man auch allgemein im Bezug auf den etablierten Islam vergeblich nach irgendeiner positiven Äußerung suchen kann. Dabei hätte es nicht an fachkompetenten Personen mit neutraler Sicht auf den Islam gemangelt. So haben sich doch gerade in den letzten Wochen unterschiedliche renommierte Wissenschaftler*innen in den medialen Diskurs über Muslim*innen in Deutschland eingemischt und differenzierte Sichtweisen präsentiert, die bislang nur wenigen bekannt waren.

 

Zum Schluss aber noch ein paar Worte zur Einschätzung Erol Özkaracas, die Predigt Mohammed Taha Sabris vom 16 Oktober 2016 sei „wie eine "dogmatisch klassische, lehrbuchartige salafistische Predigt" zu bewerten:
Sein Vorgehen, die Rezitation der chtubat al-hadja (chutbatu-l-hadja) vor der Freitagpredigt als Beweis einer islamistischen oder gar antiintegrativen Gesinnung unseres Imams und Vereinsvorsitzenden anzubringen, ist verwerflich und aus fachlicher Perspektive mehr als bedauerlich. Diese traditionelle Eröffnung der Freitagspredigt findet sich in fast allen Strömungen und wurde nie von einer einzelnen Bewegung innerhalb des Islams für sich beansprucht. Prediger (insbesondere arabischen Ursprungs) in aller Welt eröffnen mit diesem Hadith ihre wöchentliche Freitagspredigt, weshalb Herr Adamek und seine Expert*innen doch hoffentlich nicht allen attestiert, Salafisten erster Güte zu sein. Sollte Herr Adamek der Ansicht sein, dass dies vielleicht eine einseitige Sichtweise sein, kann er auch gerne anerkannte Islamwissenschaftler*innen befragen. Natürlich steht es Herrn Özkaraca frei auch den Rest der Predigt aus dem Kontext zu reißen und den eigentlichen Inhalt seiner vorurteilsbehafteten Ansicht verzerrend anzupassen, dies ist allerdings nur ein weiterer Beweis für seine mangelnde Kompetenz auf diesem Feld.

Immerhin - das Berliner Landesamt für Verfassungsschutz und die heimlichen oder auch offiziellen Anhänger der AfD in Islam-Fragen wird es freuen.